03.09.2010
Arznei-Rückstände im Trinkwasser
Experten sehen wachsendes Problem
Das Trinkwasser in Deutschland gilt als besonders sauber - und doch finden sich Arzneimittelrückstände. Zehn Wirkstoffe seien mehrfach nachgewiesen worden, berichtet Hermann Dieter, Toxikologe vom Umweltbundesamt.

Darunter seien der Blutfettsenker Bezafibrat, das Antirheumatikum Diclofenac, Röntgenkontrastmittel und das Antischmerzmittel Ibuprofen, sagt Dieter. Bei anderen gebe es einen oder einige wenige Befunde. Wie viele der 3.000 zugelassenen Wirkstoffe im Trinkwasser vorkommen, könne nicht angegeben werden. Der Toxikologe rechnet damit, dass verbesserte Analysemethoden künftig Rückstände weiterer Arzneien zutage fördern.

"Die nachgewiesenen Mittel im Trinkwasser sind zwischen 100 und eine Million Mal niedriger als die verschriebene Tagesdosis", erklärt Dieter. Das bedeute aber nicht, dass sie unbedenklich seien: "Eine Quantifizierung des Risikos auf einer wissenschaftlich fundierten Grundlage ist noch nicht möglich. Ich sehe hier unbedingt mehr Forschungsbedarf."

Vor allem sei die Wirkung unklar, die sich ergeben könne, wenn Verbraucher viele Jahre lang mehrere Wirkstoffe gleichzeitig in geringen Konzentrationen über das Trinkwasser zu sich nähmen.

Die Rückstände gelangten vor allem durch die menschlichen Ausscheidungen ins Abwasser. Kläranlagen filterten sie in den geringen Konzentrationen nicht ausreichend. Ein Problem ist aber dem Bundesumweltamt zufolge auch, dass unwissende oder bequeme Verbraucher nicht eingenommene oder abgelaufene Medikamente einfach in der Toilette entsorgen. jr/dpa; Foto: DAK

Weitere aktuelle Meldungen und zusätzliche Informationen finden Sie unter www.zm-online.de, dem Internet-Angebot der Zahnärztlichen Mitteilungen.

Ihre zm-online-Redaktion