Noch Anfang der 80er Jahre war es um die Mundgesundheit der Deutschen nicht gerade gut bestellt. Karies und Zahnfleischerkrankungen waren weit verbreitet, selbst bei Jugendlichen waren im Schnitt schon fast sieben Zähne an Zahnfäule erkrankt. Aber die Situation hat sich in den letzten Jahrzehnten dramatisch verbessert. Vor allem auf dem Gebiet der Kariesbekämpfung wurden große Erfolge erzielt, die Deutschland im europäischen und internationalen Vergleich auf einen Spitzenplatz bei der Zahngesundheit brachten. Die positive Entwicklung bei der Mundgesundheit beruht auf einer Reihe von Ursachen: Die Fluoridzufuhr über Zahnpasta und Speisesalz, die Gruppenprophylaxe an Schulen und Kindergärten und die Individualprophylaxe beim Zahnarzt spielen ebenso eine Rolle wie das durch Aufklärungsarbeit gesteigerte aktive Mundgesundheitsverhalten der Bevölkerung.
Karies
Statistisch wird die Zahngesundheit der Deutschen nach einem international anerkannten, von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegebenen Index erfasst. Dieser so genannte DMFT-Index gibt an, wie viele Zähne bei einer untersuchten Person akut kariös sind, wegen Karies gefüllt oder extrahiert worden sind.
Nach einer bundesweiten Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege (DAJ) in 2004 haben 6 – 7-jährige Kinder durchschnittlich 2,16 Zähne mit Karieserfahrung. Damit ist bei den Schulanfängern die Karies in den vergangenen zehn Jahren um 25 Prozent zurückgegangen. Zwischen 35 und 59 Prozent der 6 – 7-jährigen Kinder besitzen je nach Bundesland ein kariesfreies, also naturgesundes Milchgebiss.

Noch deutlicher wird die positive Entwicklung in der Altersgruppe der 12-Jährigen: Während der DMFT-Index 1983 bei 12-Jährigen in Westdeutschland durchschnittlich bei 6,8 lag, ergab die Untersuchung in 2004, dass im Mittel nur noch 1 Zahn überhaupt Karieserfahrung hatte.
Die positive Entwicklung soll in den nächsten Jahren fortgeführt werden. Nach den Mundgesundheitszielen für Deutschland im Jahr 2020, die von der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) auf der Grundlage der globalen Vorgaben der WHO modifiziert wurden, sollen mindestens 80 Prozent der 6-Jährigen ein kariesfreies Milchgebiss haben und die 12-Jährigen einen DMFT-Wert von unter 1 erreichen. Bei den 12-Jährigen ist das Ziel bereits heute erreicht, es wird aber auch zukünftig erheblicher Anstrengungen bedürfen, um das hohe Niveau zu halten und auszubauen.
Parodontale Erkrankungen
Parodontalerkrankungen treten bei Jugendlichen sehr selten auf. Erwachsene sind dagegen häufig betroffen, wie die vom Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) 1997 durchgeführte Mundgesundheitsstudie (DMS III) zeigt: Bei einem Drittel der Erwachsenen zwischen 35 und 44 Jahren zeigten sich Taschenbildungen zwischen Zähnen und Zahnfleisch sowie erste klinische Anzeichen parodontaler Zerstörung. Rund 14 Prozent dieser Altersgruppe waren an einer schweren Form der Parodontitis erkrankt. In der Altersgruppe der 65 – 74-Jährigen wiesen bereits ca. 40 Prozent erste klinische Anzeichen parodontaler Zerstörung auf, und fast 25 Prozent litten an einer schweren Form der Parodontitis.
Die Untersuchungsergebnisse deckten für 1997 noch deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland auf. Von den 35 –44-Jährigen waren im Westen nicht ganz 10 Prozent, im Osten über 30 Prozent schwer erkrankt. Von den 65 – 74-Jährigen litten ca. 20 Prozent im Westen, aber mit ca. 40 Prozent doppelt so viele in Ostdeutschland an einer schweren Parodontitis.
Nach den BZÄK-Mundgesundheitszielen für Deutschland im Jahr 2020 soll das Aufkommen schwerer parodontaler Erkrankungen auf 10 Prozent in der Altersgruppe der 35 – 44-Jährigen bzw. auf 20 Prozent in der Altersgruppe der 65 – 74-Jährigen reduziert werden.
Zahnverlust / Zahnlosigkeit
Die in 1997 durchgeführte Studie DMS III ergab ferner, dass 24,8 Prozent der älteren Bevölkerung (Studiengruppe der 65 – 74-Jährigen) alle Zähne verloren hatten. 44 Prozent der Altersgruppe besaßen einen zahnlosen Oberkiefer, 27 Prozent einen zahnlosen Unterkiefer.
Für das Jahr 2020 wurde zum Ziel gesetzt, die Häufigkeit der vollständigen Zahnlosigkeit in der Altersgruppe der 65 – 74-Jährigen auf unter 15 Prozent zu reduzieren.
Neue Studie in Bearbeitung
Die Entwicklung der Mundgesundheit der Deutschen wird im regelmäßigen Abstand durch umfangreiche, bundesweite epidemiologische Studien ermittelt. Im Auftrag der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und der Bundeszahnärztekammer hat das Institut der Deutschen Zahnärzte inzwischen die „Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie“ (DMS IV) gestartet. Die bundesweite Studie soll Aufschluss über den Mundgesundheitszustand, das Mundgesundheitsverhalten und den zahnärztlichen Versorgungsgrad der Bevölkerung liefern. Dazu wurden im vergangenen Jahr rund 4.600 Deutsche von mobilen Zahnärzteteams befragt und klinisch untersucht. Mit ersten Ergebnissen der Studie ist im Herbst 2006 zu rechnen.
